Fachgruppe Lebensmittelchemie spricht sich erneut gegen Stellenstreichung aus!

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Die jährliche Fortbildungsveranstaltung und Jahreshauptversammlung der BTB Fachgruppe Lebensmittelchemie in Rheinland-Pfalz fand am 22.05.2019 in Mainz statt. Nach Begrüßung und Einführung in die Tagesordnung durch die Fachgruppenvorsitzende Christine Schleich berichtete Dr. Siegfried Zörntlein vom Landeskriminalamt Mainz über „Neue psychoaktive Stoffe - Untersuchungen und Trends in Rheinland-Pfalz“. Neue Fertigpräparate, die als „Kräutermischungen“ vertrieben werden, werden beispielsweise mit dem Hinweis beworben, dass es sich um eine legale Alternative zu Cannabis handelt. Die Herstellung erfolgt aus der Damiana Pflanze, die bekannt ist wegen der ihr zugeschriebenen Wirkung als natürliches Aphrodisiakum aber auch wegen der in ihr enthaltenen ätherischen Öle, die bei Erkältungen eingesetzt werden. Zudem wird sie aufgrund des Koffeingehalts als Tonikum eingesetzt. Anschließend erläuterte er das Neue-psychoaktive- Stoff-Gesetz (NpSG), das erforderlich war, da immer neue chemische Varianten bekannter Betäubungsmittel und psychoaktiver Stoffe, die nicht unter das Arzneimittelgesetz fallen, vertrieben werden. Das Gesetz verbietet außerhalb des Anwendungsbereichs des Betäubungs- und Arzneimittelgesetz den Umgang mit neuen psychoaktiven Stoffen (NPS). Anders als im Arzneimittelgesetz sind im NpSG Stoffgruppen wie z.B.:  2-Phenethylamine und synthetische Cannabinoide aufgenommen worden. Durch die Verwendung von ähnlich aufgebauten Stoffen, die dann nicht zu den genannten Stoffgruppen zählen, wird aber versucht auch dieses Gesetz zu umgehen. Der neueste Trend, die Herstellung von synthetischen Opiaten stellt das LKA vor eine große Herausforderung, da es schwierig ist Referenzmaterial zu erwerben.

Christopher Tschiersch vom Landesuntersuchungsamt, Institut für Lebensmittelchemie Koblenz berichtete über „Tattoos – ein Trend mit Risiken“. Tattoos haben eine lange Tradition und liegen zusehends wieder im Trend. Viele Prominente machen es vor, doch die gesundheitlichen Risiken finden meist nur wenig Beachtung. Unter anderem spielen dabei die Hygiene im Tattoostudio, die verwendeten Tattoofarben und deren Inhaltsstoffe, mögliche Kontaminanten, deren Anreicherung im Körper oder die Pflege der Haut nach dem Tätowieren eine wichtige Rolle. Inzwischen gibt es aber auch verschiedene Alternativen zum klassischen Tattoo, wie u.a. Bemalungen mit Farbstiften, Henna- oder Jagua-Tätowierungen. Diese bieten die Möglichkeit, auch nur vorübergehend einem Trend folgen zu können. Hier gilt es jedoch ebenfalls Risiken abzuschätzen, die aber überschaubar und für den Laien auch erkennbarer sind. Ein ganz aktueller Trend sind Anleitungen für sogenannte „stick-‘n-poke“-Tattoos, von denen dringend abzuraten ist. Auch die Entfernung eines klassischen Tattoos ist mit gesundheitlichen Risiken behaftet, die -in Abhängigkeit von der verwendeten Entfernungs-Methode - überwiegend nicht kalkulierbar sind. Eine Entfernung ist dabei nicht nur sehr schmerzhaft, es entstehen z.B. bei Laser-Entfernungen viele unbekannte Stoffe. Mehrere Forschungsgruppen beschäftigen sich derzeit mit Fragestellungen zum toxikologischen Potential von Stoffen, die bei der Entfernung mittels Lasertechnik entstehen können. Wer sich tätowieren lassen will, sollte sich zumindest möglicher Gefahren bewusst sein und am Ende das Risiko selbst abschätzen.

Das Thema des Vortrages von Dr. Armin Hermann vom Landesuntersuchungsamt, Institut für Lebensmittelchemie Speyer lautete „Überprüfung der Authentizität von Wein im LUA“. Vorgestellt wurde zunächst die im LUA etablierten Methoden (2H-NMR, 1H-NMR und Organoleptik) und ihre analytischen Profile. Erklärt wurden die Messparameter und ihre Aussagekraft in Bezug zur Authentizität. Hervorzuheben sind insbesondere der 18O-Gehalt des Weinwassers, der sich sowohl zur Überprüfung des Jahrgangs- und Herkunftsangabe eines Weins als auch zum Nachweis einer möglichen Wässerung eignet. Der mittlere 13C-Gehalt des Ethanols eines Weines gibt Auskunft über eine etwaige Anreicherung mit C4-Zucker (Zuckerrohr, Maiszucker) als auch über Trockenstress. Schließlich sind mit dem Deuteriumgehalt in der Methylgruppe des Ethanols (=(D/H)1-Wert) etwaige Anreicherungen sowohl mittels C3-Zucker (Zuckerrübenzucker) als auch C4-Zucker nachweisbar. In der Kombination der Messwerte (13C und (D/H)1-Wert) werden Anreicherungen mit Zuckermischungen C3+C4 Zucker nachgewiesen.  Beispielhaft wurden die Messeffekte unerlaubter Anreicherung und falsche Herkunftsangabe an im Handel vorgefundenen argentinischen und chilenischen Weinen gezeigt. Sodann wurde die grundsätzliche Problematik der Herkunftsbestimmung eingegangen: Vor dem Hintergrund, dass die Stabilisotopengehalte  im Wein im Wesentlichen einerseits durch die vorherrschenden klimatischen Bedingungen in  den letzten Wochen vor der Traubenlese geprägt werden andererseits aber viele Herkünfte ähnlichen klimatischen Bedingungen unterliegen,  kann eine direkte Zuordnung der Messwerte  zu einer bestimmten Herkunft  nicht erfolgen, sondern es findet eine Überprüfung einer bereits vorhandenen Herkunftsangabe an.  Sinngemäß gilt dies auch für die Überprüfung der Jahrgangsangabe mittels Stabilisotopenanalytik: Der Jahrgang 2018 zeichnet sich klimatisch und demzufolge stabilisotopenanalytisch deutlich von allen vorangegangenen Jahrgängen ab, was eine Überprüfung gerade dieser Jahrgangsangabe erlaubt. Anders als in der Stabilisotopenanalytik beruhen die Differenzierungen von Weinen mit der im LUA neu etablierten 1H-NMR-Methode auf multivariate Zusammenhänge typische Weininhaltsstoffe (Metaboliten). Hierzu wurden erste Ergebnisse präsentiert u.a. eine recht klare Trennung weißer Rebsorten (Riesling, Müller-Thurgau sowie Grau- bzw. Weißburgunder).

Auf der Jahreshauptversammlung am Nachmittag stellte Frau Bienzle, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Lebensmittelchemiker (BLC), die verschiedenen Aktivitäten des BLC wie z.B. Parlamentarisches Frühstück in Berlin mit verschiedenen Abgeordneten, Lebensmittelrechtsseminar gemeinsam mit dem BLL in Königswinter, Gespräch mit DBB und Monatsartikel im Internet vor. In diesem Zusammenhang rief Sie alle Mitglieder zur Mitarbeit auf, insbesondere für die Erstellung des Monatsartikels.

Der Vorsitzende des BTB Rheinland-Pfalz, Axel Weyand, konnte dem Tarifergebnis sowohl Positives (Tariferhöhung, Abschaffung der Kleine E9) als auch Negatives (einfrieren der Sonderzahlung, kein Stufengleicher Aufstieg wie im TVöd und die lange Laufzeit) abgewinnen. Von daher muss es Ziel der Gewerkschaften sein den Tarifvertrag der Länder TV-L an den Tarifvertrag des Bundes und der Kommunen TVöd anzupassen

Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz hat nach Einschätzung des Landesvorsitzenden mit der Zusage der Übernahme des Tarifergebnisses auf seine Beamtinnen und Beamte plus der zusätzlichen Anpassung von je 2% in den Jahren 2019 und 2020 einen ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Allerdings bezweifelte der Landesvorsitzende, dass Rheinland- Pfalz damit auf Dauer, wie von der Landesregierung prognostiziert, einen Mittelfeldplatz bei der Besoldung unter den Bundesländern erreicht. Er wies weiter darauf hin, dass der Stellenabbau in Zukunft nicht das Problem darstellen wird, vielmehr Sorgen macht ihm die große Anzahl an freiwerdenden Stellen, da in der Landesverwaltung in den nächsten Jahren zwischen 30-40 % der Bediensteten aus Altersgründen ausscheiden werden.

 
Christine Schleich, Vorsitzende der Fachgruppe Lebensmittelchemie, wies daraufhin, dass der BTB sich zu einem Gespräch mit Staatssekretär Dr. Griese im rheinlandpfälzischen Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten (MUEEF) traf. Zur Personalent-wicklung informierte Herr Dr. Griese darüber, dass die bekannten Vorgaben zur Stelleneinsparung weiterbestünden und auch erreicht würden. Gleichzeitig teilte er mit, dass im Haushaltsentwurf 2019/20 insgesamt 44 neue Stellen (davon 9 im Hochwasserschutz) im Geschäftsbereich des MUEEF vorgesehen seien. Angezweifelt wurde, ob auf die Abteilung Lebensmittelchemie im LUA auch tatsächlich eine der genannten Stellen entfallen wird. Die Mitglieder diskutierten darauf hin lebhaft die Themen Stellenstreichung, Eingruppierung, Beförderungssituation und Arbeitszeitmodel des LUA. Aufgrund des Ausscheidens von Frau Keuler (Koblenz) aus dem Vorstand wurde Frau Marloth (Koblenz) als neue Schriftführerin gewählt. Für die langjährige Mitarbeit im Vorstand wurde Frau Keuler gedankt. Auf die bevorstehende BLC Jahreshauptversammlung in Mainz am 19.10.2019 wurde mit der Bitte um zahlreiche Teilnahme hingewiesen.