Gelungener Gewerkschaftstag 2010

Bericht als PDF-Date

 

Erfolgreicher Fachgruppentag

Der gemeinsame Fachgruppentag der Fachgruppen Landentwicklung und Landbau am 22. April 2010 in Bad Münster am Stein war ein voller Erfolg.

Die Fachgruppenvorsitzenden Dietmar Petry und Kaspar Portz begrüßten die Mitglieder im Kurhaus in Bad Münster am Stein. Ihrer Einladung zu drei interessanten Fortbildungs­vorträgen und zu den jeweiligen Mitgliederversammlungen waren 105 Mitglieder beider Fachgruppen gefolgt.

(Blick in die Versammlung)

 Die Mitgliederversammlung der Fachgruppe Landentwicklung:

Der Fachgruppenvorsitzende Dietmar Petry erstattete den Geschäftsbericht über die ver­gangen­en vier Jahre. Dabei ging er insbesondere auf den Stand der Zusammenarbeit der Fachgruppen Landbau und Landentwicklung ein und erläuterte anschließend den Geschäftsbericht über die vergangene Wahlperiode.

Der neue Fachgruppenvorstand:

In den neuen Fachgruppenvorstand der Fachgruppe Landentwicklung wurden für die nächsten fünf Jahre gewählt (v.l.n.r.): Thomas Keller (Schatzmeister), Peter Kranz, Dominik Müller, Dietmar Petry (Fachgruppenvorsitzender), Axel Weyand, Knut Bauer, Karlheinz Christian und Bert Kockelmann.

 

Die Fachvorträge:         

Im ersten Vortrag des Tages gelang es Maximilian Feichtner, Referent im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und zugleich BTB Landesvorsitzender und stv. Bundesvorsitzender seine Zuhörer mit dem Thema „Neues Dienstrecht in Bayern und Rheinland-Pfalz“ umfassend und kurzweilig zu informieren.

Der Entwurf für das neue Dienstrecht in Rheinland-Pfalz lässt sehr viel Ähnlichkeit mit der Reform in Bayern erkennen. Da das neue Dienstrecht in Bayern bereits Anfang 2011 in Kraft treten wird, lassen sich Entwicklungen dort sehr gut auf Rheinland-Pfalz projizieren. Max Feichtner gelang es hervorragend dafür zu sensibilisieren, wie wichtig es gerade jetzt ist, die Belange des technisch-naturwissenschaftlichen Dienstes bei den Beratungen zum neuen Dienstrecht zu vertreten. Hier sei der BTB mit seinen Fachgruppen als kompetenter und fundierter Ansprechpartner für die Politiker gefordert.

Dem gemeinsamen Mittagessen im Kurhaus folgten die Grußworte des BTB Landesvorsitzenden Karl-Heinz Boll und der Vertreter der Fraktionen des rheinland-pfälzischen Landtags.

Vorne am Tisch v.l.n.r.: Carsten Pörksen (SPD), Bernd Niesen, Otmar Weber, Prof. Axel Lorig, Arnold Schmitt (CDU) und Walter Strutz (FDP)

Karl-Heinz Boll betonte, dass der BTB als Gewerkschaft Technik und Naturwissenschaft hoch qualifizierte und motivierte Beamte und Beschäftigte vertrete. Er appellierte eindringlich an die Politiker, dass die Herausforderungen der Zukunft nur im Dialog zwischen Politik und Gewerkschaften zu lösen sein werden. Der BTB steht als Partner für Gespräche gerne bereit. Einseitiges Handeln der Politik sei der falsche Weg.

Carsten Pörksen (SPD), Arnold Schmitt (CDU) und Walter Strutz (FDP) richteten für ihre Fraktionen Grußworte an die Versammlung. Übereinstimmend stellten die Abgeordneten fest, dass sie die Auswirkungen des demografischen Wandels als größte Herausforderung im ländlichen Raum sehen, die ohne eine gut funktionierende Fachverwaltung nicht zu bewältigen sein werde.

Der BTB-Bundesvorsitzende Bernd Niesen begründete in seinem Vortrag, warum technisch-naturwissenschaftliche Fachverwaltungen nur mit entsprechend qualifiziertem Personal die ihnen von der Politik übertragenen Aufgaben und zugleich die Ansprüche der Bürger aber auch der Unternehmen der Wirtschaft und des Handwerks erfüllen können. So könne bereits heute festgestellt werden, wie schwierig es ist, Stellen mit geeigneten fachlich gut quali­fizierten Bewerbern zu besetzen. Gründe dafür seien neben einem Rückgang der Absolventen an den Hochschulen hauptsächlich in der zunehmend schwindenden Attraktivität des öffentlichen Dienstes zu finden. Es sei höchste Zeit, dass die Politik dies erkenne und entschieden dagegen ansteuere. Er appellierte daher an die Vertreter der Fraktionen dafür einzutreten die Einstellungsvorrausetzungen insbesondere beim TV-L zu verbessern und beim neuen Dienstrecht der Beamten darauf zu achten, keine neue Hürden aufzubauen. Ebenso muss bei der Besoldung der Beamten in Rheinland-Pfalz dafür gesorgt werden, dass diese sich nicht schlechter als ihre Kollegen in anderen Bundesländern stehen. Dies ist besonders bedeutsam, da Rheinland-Pfalz als ländlich geprägtes Bundesland nicht von der Attraktivität, die eine Metropolregion ausstrahlt, profitieren kann.

Der BTB ist ein kompetenter und verlässlicher Partner für alle Parteien, wenn es darauf ankomme, den technisch-naturwissenschaftlichen Dienst auf die Herausforderungen der Zukunft auszurichten.

Von Otmar Weber, dem Leiter der Agentur ländlicher Raum des saarländischen Umweltministeriums, wurden in seinem Vortrag über die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Zukunft unserer Dörfer, eine der wichtigsten Herausforderungen die in den nächsten Jahren auf den ländlichen Raum zukommen werden, eindrucksvoll beleuchtet.

So werde der demografische Wandel im Vergleich der Bundesländer nach seiner Auffassung Rheinland-Pfalz noch stärker treffen als das Saarland. Dies lasse sich schon allein daran erkennen, dass die Bevölkerungsdichte im Saarland mit derzeit noch über 400 Einwohner/km² fast doppelt so hoch wie in Rheinland-Pfalz ist. Mit statistischen Zahlen belegte der brillante Redner seine alarmierenden Thesen. Beispielsweise ist die aktuelle Mitgliederzahl der Kinder in Sportvereinen heute höher als es die Zahl aller Kinder in 20 Jahren sein wird, wenn man die maximal zu erwartenden Geburten zu Grunde legt. Weiter wird die aktuelle Zahl der Plätze in Seniorenheimen nicht ausreichend sein, um zukünftig alle an Demenz erkrankten Personen aufnehmen zu können, d.h. nur für Schwerstpflegefälle wird es noch Plätze geben, alle übrigen werden leer ausgehen. An solchen drastischen Beispielen lasse sich erkennen wie notwendig es ist, schnell und effektiv Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Mit Überlegungen ob es nun fünf vor zwölf oder fünf nach zwölf sei, dürfe man sich nicht aufhalten.

Daher sei der demografische Wandel eine Herausforderung aber auch ein Ansporn unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben neu auszurichten um für die Zukunft vorbereitet zu sein. Es müsse gelingen alle Ressourcen im Dorf, bei den Vereinen, bei den Kirchen und Verbänden zu aktivieren. Am wichtigsten aber sei es, die Bewohner im ländlichen Raum für ihr Dorf zu begeistern, damit wichtige Projekte angepackt und verwirklicht werden können. Diese müssen bei immer knapper werdenden öffentlichen Mitteln sorgfältig ausgewählt werden. Die Zeiten des Kirchturmdenkens und der Prestigeprojekte sei vorbei. Umso wichtiger wird es sein das Engagement der Bürger in den Dörfern zu wecken und zu stärken. Dafür sei es aber auch notwendig, dass Politiker und Mandatsträger mit gutem Beispiel vorangingen und selbst tatkräftig mit anpacken.

Eindrucksvolle Beispiele für solche gelungenen Aktionen konnte Otmar Weber aus „Melanie-Projekten“ in saarländischen Gemeinden zeigen.

Als Resümee eines gelungenen Fachgruppentages kann festgehalten werden:

Die zukünftigen Herausforderungen an den Staat und seine öffentlichen Verwaltungen können im technischen-naturwissenschaftlichen Dienst gerade mit Blick auf den demo­gra­fischen Wandel in der Gesellschaft und besonders im ländlichen Raum nur mit qualifiziertem Fachpersonal gemeistert werden. Darauf muss der Entwurf des neuen Beamten­dienstrechts ausgerichtet werden.

Der BTB als Gewerkschaft Technik und Naturwissenschaft im dbb wird diese Entwicklung aktiv, kritisch und partnerschaftlich begleiten.